Ursprünglich gehörte die Gegend um Sughera inclusive dem Landgut Il Poggio
zu den Ländereien des florentinischen Patriziergeschlechtes Strozzi, das im
15. Jahrhundert als Bankier zu großem Reichtum gelangt und politischer
Gegner der Medici war. In Florenz zeugt der Palazzo Strozzi heute noch von
der Macht dieser Familie. Später ging Il Poggio durch mehrere Hände und
wurde in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts schließlich von der
heutigen Eigentümerfamilie Sbrana erworben.
In der Toskana herrschte bis in die 50er-Jahre eine besondere ländliche
Wirtschaftsordnung, die mazzadria (Halbpacht). Der Großgrundbesitzer teilte
die Ländereien in sog. Fattorie (Landgüter) ein, diese wurden in kleinen
Einheiten, den sog. Poderi, an die Bauern verpachtet.
Der Grundbesitzer
stellte den Bauern das Land, die Werkzeuge, das Saatgut und die Düngemittel
zur Verfügung. Der Pächter stellte seine Arbeitskraft und die seiner
Familienangehörigen zur Verfügung. Die Bauern mußten die Hälfte des Ertrages
an den Großgrundbesitzer abgeben: Korn, Öl und Wein aber auch Vieh, Heu und
Stroh (die Menge wurde vertraglich genau festgelegt).
Für jede Fattoria wurde ein Aufseher eingesetzt, der sog. Fattore. Er hat
die Arbeit überwacht und den Zeitpunkt der Aussaat und der Ernte bestimmt.
Die Bauern selbst lebten oft am Rande des Existenzminimums.
Il Poggio war in vier "poderi" eingeteilt, d.h. es lebten vier Familien
hier. Zwei davon wohnten im heutigen Haupthaus, zwei im heutigen Haus
Capannina. Das Haus Cipresso war ein
großer Ofen, wo das Brot für die ganze Woche gebacken wurde. Das Haus Olmo
war ein Hühnerstall, das Haus Casetta der Schweinestall. Das Haus Castagno wurde als Heuschober genutzt. La Ginestra wurde während der Jagdsaison als Jagdhütte benutzt.
In der Nachkriegszeit setzte in der Toskana eine große Landflucht ein. Die Bauern suchten Arbeit in den Fabriken in der Stadt, wo die Arbeitsbedingungen ein besserers Leben versprachen, unabhängig von den Großgrundbesitzern, den kargen Böden und den klimatischen Risiken. Auch Il Poggio verfiel immer mehr. Die letzten Bewohner von Il Poggio leben heute noch im benachbarten Dorf Sughera.
Foto-Galerie:
Das verfallene Landgut vor dem Wiederaufbau durch die heutigen Eigentümer
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